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Wie Gesundheit und Führung zusammenhängen: ein Stimmungsbild aus der wissenschaftlichen Forschung.

von Thomas Artmann und Norbert Lenartz

 

Gesundheit als Wettbewerbsfaktor

Leistungsfähige und leistungsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind eine wichtige Voraussetzung, um unternehmerische Ziele zu verwirklichen. In einem wirtschaftlichen Umfeld, das hohe Anforderungen an die Effektivität und Effizienz von Unternehmen stellt, werden die körperliche und psychische Gesundheit der Belegschaft, ihre Arbeitsmotivation und Eigenverantwortung zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren.

 

Unternehmenskultur macht knapp ein Drittel des Unternehmenserfolgs aus.

Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft gehören zusammen

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Gesundheit als körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen und betont dabei, dass wirkliche Gesundheit weit über die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen hinausgeht. Organisationswissenschaftler setzen Gesundheit häufig sogar mit der individuellen Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit des Menschen gleich. Diese beiden Definitionen lassen die Bedeutung von Gesundheit für die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen erahnen. Mangelnde Mitarbeitergesundheit hat somit nicht nur hohe Fehlzeitenquoten zur Folge. Die Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft und Bilanzen von Unternehmen sind bedeutend vielschichtiger. Neuere Forschungsergebnisse verweisen darauf, dass bis zu 10 % der gesamten Personalkosten durch Leistungseinbußen zwar anwesender, aber gesundheitsbeeinträchtigter Mitarbeiter (sog. Präsentismus) entstehen.

 

Genau an dieser Stelle setzt modernes Gesundheitsmanagement an. Der Fokus geht über den üblichen Arbeitsschutz und Einzelmaßnahmen zur Gesundheitsförderung hinaus und zielt ganzheitlich auf die Gestaltung einer Arbeitswelt, in der die Gesundheit, Schaffenskraft, Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter optimiert werden.

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten verdeutlicht den diesbezüglichen Handlungsbedarf in Unternehmen und zeigt Zusammenhänge zwischen Unternehmens- und Führungskultur, Gesundheit und Leistungsbereitschaft auf:

 

  • Die Fehltage von Arbeitnehmern aufgrund psychischer Erkrankungen haben im Zeitraum von 1994 bis 2002 um 74,4 % zugenommen.
  • Mitarbeiter, die sich durch Personalführung und Arbeitsorganisation belastet fühlen, weisen eine deutlich höhere Erkrankungsrate auf, als Mitarbeiter, welche diese Belastungen nicht angaben.

 

Gesundheitsskala

  • Arbeitnehmer, die für ihre Leistungen wenig Anerkennung erhalten, die über das Gehalt hinausgehen, erleben häufig sogenannte „Gratifikationskrisen“. Sie zeigen physiologische Stressreaktionen und sind deutlich stärker gefährdet, am Herz-Kreislauf-System zu erkranken.
  • In Unternehmen, in denen das Management die Befriedigung von grundlegenden psychologischen Bedürfnissen förderte, zeigen Mitarbeiter eine größere Arbeitszufriedenheit, eine höhere Leistung und eine größere Ausdauer in ihrer Arbeit. Sie akzeptieren organisatorische Veränderungen besser und verfügen allgemein über eine höhere psychologische Anpassungsfähigkeit.
  • Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihnen von ihren Vorgesetzten Vertrauen entgegen gebracht wird, arbeiten sie eigenverantwortlicher und zeigen eine größere Leistung. In einer aktuellen Studie, die der Frage nachgeht, ob Mitarbeiter effektiver sind, wenn sie überwacht werden oder wenn sie das Gefühl haben, selbstverantwortlich und in einem vertrauensvollen Verhältnis zu ihrer Führungskraft arbeiten zu können, wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem wahrgenommenen Vertrauen, eigenverantwortlichem Handeln und der Vertriebs- und Serviceleistung gefunden.
  • Die Unternehmenskultur hat erheblichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen in Deutschland.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource

GesundheitsskalaIn Deutschland werden noch immer 70 % des Sozialprodukts durch die menschliche Arbeitskraft erwirtschaftet. Das enorme Effizienz- und Effektivitätspotenzial gesunder, leistungsstarker und leistungswilliger Mitarbeiter wird häufig jedoch noch zu wenig berücksichtigt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass diese sogenannten „weichen Faktoren“ der Arbeit in ihrer Wirkung komplex und vielfältig sind und nur mit großem Aufwand direkt über harte Zahlen erfasst werden können.

 

Im Gegensatz zu einem in der Regel hohen Professionalisierungsgrad im technischen Bereich werden gesundheitsbezogene Herausforderungen von vielen Unternehmen nur unsystematisch angegangen. Die Effekte einzelner Maßnahmen greifen nicht ausreichend, weil wichtige Einflussfaktoren auf die Mitarbeitergesundheit nicht beachtet oder unterschätzt werden.

 

Erfolgreiche Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitergesundheit sind gleichzeitig zielgerichtet und ganzheitlich. Die gelebte Unternehmens- und Führungskultur ist für den Erfolg gesundheitsförderlicher Aktivitäten im Unternehmen maßgeblich. Das Verhalten und die Haltung der Führungskräfte beeinflusst die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter, ihre Motivation, ihre Identifikation mit dem Unternehmen und ihre Bereitschaft zu eigeninitiativem Arbeiten. Unternehmen, die qualitäts- und leistungsorientiert arbeiten wollen, können auf diese Erfolgsfaktoren nicht verzichten. Gesundheit ist ein Wettbewerbsfaktor!

Führungskräfte sind der Dreh- und Angelpunkt

Führungskräfte sind der Dreh- und Angelpunkt eines Unternehmens. Sie koordinieren die zu erledigende Arbeit und delegieren diese an die Mitarbeiter. Führungskräfte gestalten die Arbeit. Sie geben Arbeitsabläufe und Arbeitsbedingungen vor, ermöglichen Kommunikationsprozesse, entscheiden über Qualifizierungsangebote, fördern oder behindern die Bildung von Netzwerken, schaffen eine Atmosphäre der Kooperation oder der Konkurrenz und dienen nicht zuletzt als Vorbild oder negatives Beispiel. Führungspersonen erzeugen – bewusst oder unbewusst – positive oder negative Reaktionen: Angst, Unsicherheit und Resignation ebenso wie Freude, Stolz und Glück.

 

Dabei hat das Führungsverhalten einen entscheidenden Einfluss auf das Befinden und die Gesundheit der Mitarbeiter, also darauf, wie sich Menschen an ihrem Arbeitsplatz erleben und welche Einstellungen sie gegenüber ihren Aufgaben und ihrem Arbeitgeber entwickeln. An dem Verhalten der Vorgesetzten entscheidet sich in vielen Fällen, ob Arbeit die Gesundheit der Mitarbeiter belastet oder zu einer Ressource guter Gesundheit wird!

Gesundheit und Motivation als Führungsaufgabe

Wie also soll sich eine Führungskraft verhalten? Wie können die zu leistende Arbeit, die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld so gestaltet werden, dass eine nachhaltige Stärkung der Mitarbeitergesundheit und damit der Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit gelingt?

 

Führungskräfte sind in der Regel in ihrem Fachgebiet hervorragend ausgebildet. Kenntnisse zur gesundheitsförderlichen Mitarbeiterführung sowie die zur praktischen Umsetzung erforderlichen Führungsqualitäten und persönlichen Kompetenzen sind dagegen häufig nur unsystematisch oder fragmentarisch vorhanden. Der nachdrücklichen Forderung an die Führungskräfte, den Krankenstand gering zu halten und das Human- und Sozialkapital des Unternehmens zu optimieren, steht ein Mangel an notwendigem Wissen und entsprechenden Kompetenzen gegenüber. Neben einem systematischen und fundierten Wissen zu Methoden und Strategien des gesundheits- und motivationsförderlichen Leistungsmanagements, sind es vor allem Handlungskompetenzen und persönliche Kompetenzen, die Führungskräfte für eine gesundheitsförderliche Ausgestaltung ihrer Führungsaufgabe benötigen.

 

Gesund Führen. Ein zeitgemäßes Intensivprogramm

Das EUDAIMON-Intensivprogramm “Gesund Führen” vermittelt systematisch und fundiert ein umfassendes Wissen für eine gesundheitsfördernde und motivierende Personalführung, die zugleich mitarbeiter- und leistungsorientiert ist. Neben den Methoden eines gesundheitsförderlichen Führungsverhaltens, werden zentrale persönliche Kompetenzen und Handlungskompetenzen der Führungskräfte gefördert.

 

Das strategische Ziel des Programms ist es, Führungskräfte dazu zu befähigen, ihre Mitarbeiter so zu führen, dass diese ein hohes Maß an Gesundheit und Motivation in ihrer Arbeit entwickeln und damit die Unternehmensziele durch Qualität und Leistung erreicht werden.

 

Das auf ein Jahr angelegte Intensivprogramm beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit den teilnehmenden Führungskräften. Neben klassischen Trainings- und Workshopblöcken erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusätzlich Einzelcoaching und es werden individuelle Ziele gesetzt, die nachprüfbar im Laufe eines Jahres erreicht werden sollen. Die praktische Anwendung des Gelernten steht ebenso im Fokus wie übergeordnete Schlüsselqualifikationen und persönliche Kompetenzen. Das Programm gibt den Führungskräften Raum, ihre eigene Haltung zu den inhaltlichen Themen zu entwickeln, um die Stärken ihres individuellen Führungsstils zu entfalten.

 

Zur Seminarbeschreibung Link

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